Andersfotografiert ... der für den Wolf lebt
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Über Wildschweine

Wildschweine – schlauer als die Polizei erlaubt

Die Borstentiere sind den Menschen sehr ähnlich: Sie haben es gern bequem und sicher
Wildschweine sind ungeheuer clever. Wenn im Herbst landauf, landab zur Treibjagd geblasen wird und ganze Jägerbatallione die Natur unsicher machen, ändern die Schwarzkittel ihre Überlebensstrategie.
Dann ziehen viele Wildschweinrotten um. Nicht selten in menschliche Wohngebiete. Denn in Siedlungen, Grünanlagen, Friedhöfen und Gärten ist die Jagd verboten – aus Sicherheitsgründen. Allein bei Gefahr im Verzug darf geschossen werden. Ob das allerdings kürzlich in Rüsselsheim(!) der Fall war, wo die Polizei mit 100 Schuß sechs wilde Schweine exekutierte, muss bezweifelt werden.

 

Es kann aber schon mal vorkommen, dass 120 Waidmänner und 45 Treiber ausrücken, mit dem Vorsatz, der  „Wildschweinplage” Herr zu werden. Wenn aber nach einem langen Jagdtag lediglich vier arme Schweine auf der Strecke bleiben, ist die Bekämpfungsstrategie offenbar nicht aufgegangen. Und vollmundige Schlachtrufe wie „jetzt geht es den Schwarzkitteln an den Kragen” oder „jetzt kriegt der Keiler Keile” waren etwas verfrüht. Das liegt vor allem daran, dass die wilden Schweine äußerst lernfähig sind. Erfahrene Leittiere wissen, wann und wo es für die Rotte lebensgefährlich wird. Sie wissen, was Schüsse bedeuten. Sie wissen, wie der Tod riecht. Und sie können Sonntagsjäger von Sonntagsspaziergängern unterscheiden. Wird eine Leitbache erschossen, die für zehn oder auch zwanzig Familienangehörige verantwortlich ist, bricht im wahrsten Sinne des Wortes die Anarchie aus.

 

Nicht selten verlaufen große, revierübergreifende Drück- und Treibjagden für die jagenden Teilnehmer frustrierend. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Zumal sich die Nachfrage und damit der Verkauf von Wildschweinfleisch schwer ankurbeln lässt. Berichte über neuartigen Trichinen-Befall und die in manchen Regionen immer noch hohe radioaktive Belastung des Wildfleischs, wirken ziemlich abschreckend. Von hochgiftigen Bleirückständen durch Jagdmunition einmal abgesehen. Offenbar trauen Verbraucher den Jägern, die sich als geprüfte Freiland-Metzger anbieten, nicht so recht über den Weg. Noch über 20 Jahre nach Tschernobyl weist nämlich Wildschweinfleisch in manchen Regionen mehr als 10 000 Becquerel an Caesium-137 pro Kilogramm auf. (Ab einer Belastung von 600 Bq/kg darf das Fleisch nicht mehr verzehrt werden – es gehört dann zum Sondemüll).

 

Auch im Osten Berlins war zum wiederholten Mal eine Jagd erfolglos. Da haben sich die Schweine nämlich einen neuen Trick ausgedacht: Statt vor den lärmenden Treibern zu flüchten und  zwangsläufig(!) vor die Flinten der Jäger zu rennen, nahmen sie die Gegenrichtung und galoppierten auf die unbewaffneten Treiber zu.  Worauf diesen nichts anderes übrig blieb, als schnellstens vor den wehrhaften Borstentieren zu flüchten. Es ist damit zu rechnen, dass das Schule macht.
Nicht wenige Revierinhaber sind immer noch der Meinung, dass sogenannte Kirrungen – Futterstellen, die  in bequemer Schussentfernung vor Hochsitzen angelegt werden, das einzige wirksame Mittel zur Reduzierung der Schwarzwildbestände sind. Dass sie mit dem Ausbringen von Mais und anderen Leckereien die Tiere nicht am Ort halten, sondern durch das zusätzliches Nahrungsangebot erst recht zu ihrer Vermehrung beitragen, ist scheinbar schwer begreiflich.

 

Ohne Zweifel gibt  es heute mehr Wildschweine als vor 20 Jahren. Milde Winter, reiche Eichel- und Buchenmast, enorme Ausweitung der Maisanbaugebiete und nicht zuletzt die zum Teil intensive Fütterung durch die Jägerschaft haben zur üppigen Vermehrung der Schweine beigetragen. Und die Tiere haben ihren natürlichen Rhythmus verloren. Nicht nur die Leitbachen bekommen jetzt öfter und mehr Junge als früher, sondern auch schon ihre jugendlichen Töchter.
Wilde Schweine sind Menschen sehr ähnlich. Sie haben es gerne bequem und sicher. Da muss man sich nicht wundern, wenn es viele dahin zieht, wo sie immer einen gedeckten Tisch vorfinden und wo sie nicht bejagt werden. Grünanlagen, Gärten, Friedhöfen sind ihre bevorzugte Orte. Sie haben inzwischen sogar gelernt, wie sich Türen und Tore ohne Beschädigung öffnen lassen. Man braucht ein wenig Geduld und Übung, dann geht alles wie von selbst …
Dass Wildschweine zunehmend die Städte heimsuchen, wo sie nicht mit allen Mitteln bekämpft werden, wo das Nahrungsangebot vielseitig ist und wo es Menschen gibt, die ihnen mit Respekt und Toleranz begegnen -   wer will ihnen das verdenken? Und vielleicht lernen die wilden Schweine auch noch, was manche nie lernen:  gutes Benehmen.
Erste Anzeichen beobachtete kürzlich ein Berliner von seinem Balkon aus. Da versammelte ein Bache ihre Frischlinge an einer Fußgänger-Ampel, wartete geduldig bis es Grün wurde und geleitete sie sicher über die Straße.

 

 

 

Text: Karin Hutter 

Quelle:

http://animal-public.de/2008/11/wildschweine-schlauer-als-die-polizei-erlaubt/

 

 

 

 

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